Industriebauten und Anlagen

Industrieanlagen strahlen allein ob ihrer schieren Größe und reinen Funktionalität eine gewisse Faszination aus. Dennoch schließen sich kommerzielle Nutzung und eine gewisse Ästhetik nicht prinzipiell aus, der Blickwinkel macht es und entblößt Formen, Symmetrie, Interessantes. Bisher bin ich noch nicht gezielt auf Motivschau in dieser Sparte gegangen und habe nur so im Vorbeigehen die Kamera hochgezogen. Aktive und umgewandelte Anlagen haben ihren Reiz, doch keiner neuen Nutzung zugeführt und zur Ruine verkommen entwickelt sich ein morbider Charme, der den Betrachter bisweilen schaurig frösteln lässt und über den Sinn und Zweck nachdenken lässt.

Die Startbahn West des Frankfurter Flughafens zum Beispiel, einst heiss umkämpft und maßgebliche Geburtshelferin ''Der Grünen'' in Hessen, sticht wie ein Beton gewordener Finger in den naturgeschützten Wald. Sie ist umzingelt von einem hohen, mit Stacheldraht bewehrten Zaun, der eine große Fläche für mehr oder weniger sinnreiche Sprüche bietet (''Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war''). Die Optik zeigt Paralellen zur alten Grenze zwischen BRD und DDR. Gerodete Flächen als breiter Sicherheitsgürtel von Wachstraßen durchzogen, lückenlose Beobachtung durch Wachtürme oder Kameras, Wassergräben und regelmäßige Patrouillen erzeugen diese unmissverständliche Botschaft: ''Du kommst nicht rein bzw. raus''. Das eine Bauwerk ist Geschichte, das andere kommt bis heute seiner Grundfunktion nach. Und doch, selbst in diesem hochaktiven Umfeld nagt der Zahn der Zeit, Rost an Eisen, gerissener Beton, und eine Natur, die trotz permanenten Lärms die entstandenen Lücken wieder mit Leben füllt.

Die ehemalige Anlage der US-Army im Ober-Olmer Wald regt ebenfalls zum Nachdenken an. Der Rhein als erste natürliche Verteidigungslinie im kalten Krieg erforderte, dass viele sensible militärische Anlagen im Süden Deutschlands auf dem Westufer installiert wurden, meistens auf Gelände mit mehr oder weniger militärhistorischer Vergangenheit. So auch hier im Ober-Olmer Wald. Laut Unterlagen des Forstamts Rheinhessen beschlagnahmte die US-Army dieses Gelände und baute dort Bunkeranlagen zum Lagern von Munition (SAS = Special Ammunition Site, das ist gleichbedeutend mit Kernwaffenmunition) sowie eine Raketenstellung zur Flugabwehr für Nike-Hercules-Raketen - mehr zu dem Thema im Bereich Links. Das eigentlich Interessante aber geschieht erst nach dem Abzug der Militärs. Es entsteht unter staatlicher Aufsicht durch gezielten Rückbau ein Naherholungsgebiet mit bemerkenswerter Flora und Fauna, wobei Erholung relativ ist, da das Gebiet direkt in der hochfrequentierten Einflugschneise des Frankfurter Flughafen liegt. Die verbliebenen Bunkeranlagen und Strukturen werden heute nach und nach von der Natur zurückerobert - erstaunlich, wie perfekt hier die militärische Ausdrucksweise passt - und bieten dem Besucher eine Reise in die jüngste Vergangenheit der Republik.

Klicken Sie auf ein Bild und navigieren Sie sich von Ort zu Ort. - Viel Spaß bei der Erkundung.


Alte Industrieruine
DE Hagen-Haspe, NRW (x3)
2 Kraftwerke am Hengsteysee
DE Herdecke, NRW

Startbahn West
DE Frankfurt, Hessen
Ehemaliger US Stützpunkt
DE Ober-Olm, Rheinland-Pfalz
Werft mit viel Geschichte
DE Stralsund, Mäc-Pomm
Alte Phrix Papierfabrik
DE Okriftel, Hessen
Aussichtsturm Josephskreuz
DE Stollberg (Harz), Sachsen-Anhalt
Göltzschtalbrücke
DE Netzschkau, Sachsen (x2)
Alte Sächsische Wollgarnfabrik
DE Weiße Elster, Leipzig, Sachsen
Hinterhofromantik
USA Columbus, OH
Nieten und Streben
DE Ginsheim-Gustavsburg, Hessen
Verfallene Fabrik
USA Hilliard, Columbus, OH, USA
A 40 Rheinbrücke
DE Duisburg, NRW
Agrarindustrie
DE Hofheim am Taunus, Hessen

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Letztes Update:  
21.04.2015  


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